Kapitel VI. 9.a) - b)



9. Umgangsmodelle

Ein Umgang von Eltern und Kindern sollte immer möglich sein! Die einzelne Ausgestaltung des Umgangs ist gesetzlich nicht geregelt. Den Möglichkeiten der Vereinbarung der Beteiligten sind keine Grenzen gesetzt. Daher ist es möglich, dass Schichtdienst, Auslandseinsätze, Arbeiten an anderen Orten oder verschiedene Wohnorte mit aufgenommen bzw. berücksichtigt werden können. Auch können ganz persönliche Verpflichtungen der Beteiligten einbezogen werden. Vorausgesetzt die Parteien können sich einigen, gibt es also keine äußeren Umstände, die einen Umgang gänzlich verhindern.

a) Der Gerichts-Klassiker: Das Residenzmodell

Der Klassiker unter den Umgangsformen ist das immer wieder vereinbarte Modell: alle vierzehn Tage am Wochenende von … bis …, dazu die jeweils zweiten hohen Feiertagen zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten sowie eine Ferien- und Feiertagsregelung.

Es gibt auch Ansätze von Gerichten, zeitlich längere Umgangsformen zum Beschluss zu führen. Leider ist dies aber die Ausnahme. Wenn Sie für Ihre Kinder einen längeren Umgang wünschen, und das nach Ihrem Ermessen auch im Sinne der Kinder ist, dann scheuen Sie sich nicht, auch einen längeren Umgang zu beantragen. Väter sind aus der Natur der Sache ein gleichberechtigter Elternteil und eben nicht nur ein "alle-14-Tage-Wochenend-Papa".

Wünschenswert wäre, wenn sich die Gerichte endlich von der 14-Tage-Regelung als Ausgangsbasis verabschieden würden. Die Gerichte haben in den Verhandlungen zwei meist zerstrittene Eltern vor sich. Warum betrachten sie nicht zuallererst immer die Kinder und schlüpfen in deren Rolle? Ein Kind hat Vater und Mutter, sonst wäre es nicht auf der Welt. Weder bei der Zeugung noch bei der Geburt bekommt ein Elternteil den "ich-bin-der-fürs-Kind-Bessere"-Bonus. Diesen Bonus erhalten die Mütter, quasi vom Gericht abgesegnet, wenn eine Verhandlung vor Gericht so beginnt, dass der Vater erst mal davon ausgehen muss, dass er nun nach der Trennung sein Kind nur noch alle 14 Tage sehen wird. Ginge man bei Gericht von einer absoluten Gleichberechtigung (ähnlich dem Wechselmodell) beider Eltern als Grundsatz aus und würde dann schauen, inwieweit dies auf jeden spezifischen Fall anwendbar ist, würden die Verhandlungen nicht von vornherein schon mit einem Unterlegenen beginnen. Dies würde wohl bei manchem Elternteil dazu führen, eine generelle Blockadehaltung gegenüber dem Partner zu überdenken.
Solange aber die Gerichte die sture 14-Tage-Regelung als ihr Ausgangsszenario beibehalten, werden die Kindesmütter - völlig entgegen dem Gleichheitsgrundsatz und gegen die menschliche und pädagogische Vernunft - als besserer, für die Kinder notwendigerer Elternteil legitimiert. Leider schöpfen aus diesem, in anderen Ländern längst überholten Gerichts-Denkansatz, Mütter oft ihre Kraft und begründen damit ihr Tun und Handeln um die Kinder.

b) Das Wechselmodell

Eine andere Möglichkeit der Umgangsregelung ist das Wechselmodell, welches auch als "abwechselnde Beherbergung", "alternierende Obhut", "gemeinsame oder geteilte Betreuung", "Doppelresidenzmodell" oder "Bilokationsprinzip" bezeichnet wird. Dies bedeutet, dass die Kinder ihre Zeit hälftig bei ihren Eltern verbringen. Dabei ist eine Aufteilung der Zeit nach Tagen, Wochen, Monaten und Jahren vorstellbar. Eine genaue Abgrenzung zwischen den verschiedenen Umgangsmodellen und dem Wechselmodell ist nicht klar definierbar. Auch muss das Wechselmodell nicht eine perfekt hälftige Umgangsteilung bedeuten, sofern die Zahlung des Unterhalts kein Streitpunkt ist.

Andere europäische Staaten haben die Vorzüge dieses Modells längst erkannt und erfolgreich per Gesetz verankert. In Deutschland allerdings, wo dieses Umgangsmodell bisher in noch keinem Gesetz Niederschlag gefunden hat, gibt es erheblichen rechtlichen Nachholbedarf. So sind verschiedene Fakten juristisch nicht geklärt, z.B. wie es sich beim Wechselmodell mit der Sorgerechtsverteilung verhält, wie das Aufenthaltsbestimmungsrecht und der tatsächliche Aufenthalt geregelt ist oder auch wie die Regelung des Wohnsitzes gelöst ist. Es ist nicht definiert, ob vorausgesetzt wird, dass die Kinder in zwei Wohnungen, gegebenenfalls bei zwei Familien, wohnen und polizeilich gemeldet sind, oder ob vielmehr die Kinder in einer häuslichen Gemeinschaft leben und "nur" ein großzügiges (50%) Umgangsrecht eingeräumt wird.

Eine Variation des Wechselmodells ist das "Nestmodell". Bei diesem Modell bleibt das Kind in einer Wohnung (im Nest), und die Eltern kommen wechselweise in diese Wohnung, um das Kind zu betreuen.

Grundvoraussetzungen, um ein Wechselmodell zu gestalten und es auch perspektivisch nicht nur in der Nachtrennungssituation sondern länger zu praktizieren, sind nach herrschender Meinung in der Literatur folgende:


… usw. - Lesen Sie weiter im "Väterkompass"