Kapitel II. 1. - 3.



1. Sorgerecht während der Schwangerschaft

Es ist wenig bekannt, dass die Erklärung über die gemeinsame elterliche Sorge auch schon vor der Geburt des Kindes abgegeben werden kann. Dies ist prinzipiell bei jedem Jugendamt möglich. Dabei besteht leider oft das Problem, dass die Jugendämter einer solchen Erklärung nicht immer förderlich entgegenkommen.

Sollte eine Erklärung vor dem Jugendamt nicht möglich sein, empfiehlt sich die Abgabe einer gemeinsamen Sorgerechtserklärung bei einem Notar, da der Form nach eine öffentliche Beurkundung notwendig ist.

2. Termin beim Jugendamt für die Abgabe der Erklärung über die elterliche Sorge

Es wird uns in der Beratungspraxis immer wieder berichtet, dass die Jugendämter nicht unbedingt dafür Sorge tragen, dass das Kind seinen sorgeberechtigten Vater bekommt. Vielmehr haben die Jugendämter ein Interesse an der Vaterschaftsanerkennung und nicht zwingend an der Sorgerechtserklärung. Das hat zur Folge, dass die Mütter manchmal auch gegen das gemeinsame Sorgerecht beraten werden.

Zitat eines Betroffenen:
"Aktiv wurde das Jugendamt immer nur, wenn es darum ging, von mir Geld einzutreiben. Dann aber blitzartig. Es hat sich schon vor der Geburt voll und ganz auf die Seite der Mutter geschlagen. Dieses Jugendamt ist für den Vater völlig wertlos, und will nichts außer die Väter schikanieren. Nie wieder würde ich es einschalten … Die Beratung bezüglich der Sorge war auch so."

Manche Väter berichten auch, dass das Jugendamt die Mütter gefragt habe: "Warum wollen Sie denn dem Vater das Sorgerecht geben? Dies ist zu umständlich, Sie müssen dann immer den Vater fragen und können nichts mehr allein bestimmen. Die alleinige Sorge ist für Sie viel günstiger."

Versuchen Sie daher, diese Manipulationen zu umgehen, indem Sie im Vorfeld ausreichend mit Ihrer Partnerin reden und sie von der Wichtigkeit eines gemeinsamen Sorgerechts überzeugen. Sollte sich Ihre Partnerin gegen ein gemeinsames Sorgerecht aussprechen, sollte Ihnen dies ein Alarmzeichen sein. Fragen Sie nach dem Warum und Wieso und akzeptieren Sie die Ablehnung nicht einfach als mütterliche Besitzergreifung während der Schwangerschaft.

Versuchen Sie weiterhin, beim Termin mit dem Jugendamt zur Erklärung über die gemeinsame Sorge, eine dementsprechende Diskussion durch Ihre Präsenz und das Kundtun Ihrer Meinung zu verhindern.

3. Automatischer Erhalt des gemeinsamen Sorgerechts / Nachnamenswahl

Sollten Sie nicht verheiratet, aber Ihre Freundin schwanger sein, und Sie möchten die gemeinsame elterliche Sorge automatisch erhalten, so können Sie momentan lediglich sehr schnell heiraten (aber nur, wenn Sie sich ganz sicher sind). Dann würde das Kind auch den Ehenamen als Nachnamen bekommen.

Sollten Sie eine Heirat (noch) nicht wollen, so können Sie trotzdem den Nachnamen des Vaters oder den zukünftigen Ehenamen als Kindesnamen beim Standesamt bestimmen; jedoch erhalten Sie dadurch die gemeinsame elterliche Sorge nicht automatisch mit der Geburt.


… usw. - Lesen Sie weiter im "Väterkompass"