Vorwort zur 2. Auflage

Ganz langsam, für manch Kinder und Betroffene viel zu langsam, kommt weiter Bewegung in die Deutsche Rechtsprechung. Zum 01.09.2009 trat das "Gesetz zur Reform des Verfahrens in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit" in Kraft und machte somit eine überarbeitete Auflage des Väterkompasses erforderlich.

Durch das neue Gesetz ändern sich Begrifflichkeiten, und der Ansatz der familiengerichtlichen Herangehensweise wurde neu ausgerichtet. Die Einsicht zur Einigung soll verstärkt gefördert werden, und Gerichte sollen noch mehr vermitteln statt nur zu beschließen. Aber auch die Einführung eines Ordnungsgeldes, welches das bisher kaum vollstreckbare Zwangsgeld ersetzen soll, macht Mut und Hoffnung auf eine geregeltere und vor allem kontinuierlichere Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern. Es bleibt abzuwarten, wie die neue Gesetzesreform - theoretisch sehr verheißungsvoll - von den Gerichten umgesetzt und sich in der Praxis auswirken wird.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) entschied kürzlich, dass die derzeitige Rechtsprechung zum Sorgerecht in Deutschland für Väter diskriminierend sei. Dies war zwar eine Einzelfallentscheidung, aber die Bundesregierung ist dadurch angehalten, das Verfahren zur Sorge zu ändern. Dies wird hoffentlich weitere Reformen nach sich ziehen.

So kann der Väterkompass auch in seiner zweiten Auflage nur eine Momentaufnahme der aktuellen Rechtslage sein und er wird weiteren, hoffentlich positiven Veränderungen unterliegen.

Möge die Entwicklung in der deutschen Rechtsprechung weitergehen und aufholen, was andere europäische Länder seit Längerem schon vormachen: die Schaffung einer Grundlage für eine Eltern-Kind-Beziehung, die auch nach der Trennung der Eltern als ein Recht der Kinder Bestand hat und nicht durch umgangsboykottierende Elternteile verhindert werden kann.