Vorwort zur 1. Auflage von Hans-Thomas Leib, Rechtsanwalt

"Die Gesetze für Männer in Deutschland sind lächerlich, wir haben keine Rechte. Der biologische Vater spielt einfach keine Rolle, wenn die Frau das will." Zitat eines irischen Vaters über die rechtliche Stellung der Väter in Deutschland

Der ursprüngliche Gedanke, welcher hinter dieser Broschüre steht, war die Ausarbeitung eines Leitfadens für Väter und für Männer, die Väter werden wollen. Dabei stand nicht die partnerschaftliche Seite im Mittelpunkt, sondern es sollte ein möglichst umfassender Ratgeber entstehen, der Männer von der Phase des Kennenlernens der Frau, über die Nachwuchsplanung, eventuell ungeplanten Nachwuchs, bis zu einer möglichen Trennung, Scheidung oder sonstigen Beendigung der Beziehung begleitet. Dies alles natürlich mit dem Hauptaugenmerk auf die Kinder! Wir hoffen, mit unserer Ausarbeitung so zu helfen, dass Ihnen eventuell auftretende Probleme erspart bleiben.

Bei zahlreichen Beratungsgesprächen ist immer wieder die Tatsache aufgefallen, dass Frauen, im Gegensatz zu Männern, aus ihrem und dem vorgelebten Rollenverständnis heraus instinktiv Entscheidungen treffen, die ihnen nach der Beendigung von Beziehungen bei anschließenden Regelungen oder bei einem Streit die besseren Ausgangspositionen ermöglichen. Oft stolpern Väter unwissentlich und gutgläubig in Situationen, mit denen sie sich vorher nie beschäftigt haben.

Daher bestand von Seiten des Vereins "Väteraufbruch für Kinder Leipzig e.V." der Wunsch, einen Ratgeber zu erstellen, der sich genau mit dieser Problemlage beschäftigt und mit dessen Umsetzung ich mit beauftragt wurde.

Der Ausarbeitung dieses Ratgebers liegt ein Fragebogen zugrunde, in welchem im Rahmen eines fiktiven Interviews rund 250 Fragen gestellt wurden. Die dabei gegebenen Antworten sind nicht statistisch ausgewertet worden. Da wir Eindrücke, Verhaltensweisen und Emotionen nicht in Zahlen, Tabellen und Graphiken ausdrücken wollten, wurde jegliche statistische Erhebung bewusst ausgeklammert. Vielmehr wurde anhand der rund 100 beantworteten Bögen versucht, Fakten, Hinweise und Aussagen in einen Ratgeber einzuarbeiten, der typische Probleme aufzeigt und Argumentationshilfen sowie Hilfestellungen für die Problemlösung anbietet. Ich möchte an dieser Stelle nochmals all denjenigen danken, die sich die Zeit für die ausführliche Beantwortung der Fragebögen genommen haben.

Da wir auf keinen Fall eine juristische Abhandlung, sondern einen realitätsbezogenen Leitfaden ausarbeiten wollten, kann es sich bei den dargestellten rechtlichen Problemen, Fällen und Möglichkeiten nur um eine Auswahl handeln. Somit erhebt der Väterkompass nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Er wurde aus jahrelanger juristischer Erfahrung und dem allgemeinen Erleben geschrieben. Nicht für jede Situation werden Lösungsansätze aufgezeigt, denn viele Grundprobleme beruhen auf der Schieflage und dem Ungleichgewicht zwischen Vater und Mutter in der deutschen Rechtsprechung und könnten nur vom Gesetzgeber behoben werden.

Gänzlich verzichtet wurde auf die Betrachtung der rechtlichen Seite einer Scheidung, da diese eher die offizielle Aufhebung der Ehe behandelt hätte. Dieses rechtliche Extragebiet hätte den Rahmen dieser Arbeit gesprengt und ist in Bezug auf die Kinder auch nicht so wichtig, da für die Kinder mit dem Auseinanderbrechen ihrer Familie und dem Entstehen neuer Lebens- und Umgangssituationen quasi die Scheidung vollzogen ist.

Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass der Väterkompass für Väter geschrieben wurde. Deswegen mag man uns im sprachlichen Gebrauch nachsehen, dass wir im Text davon ausgehen, dass Kinder aus Trennungsfamilien zumeist bei den Müttern leben und wir immer von den benachteiligten Vätern sprechen. Wir wissen natürlich, dass es auch Fälle gibt, wo die Kinder hauptsächlich beim Vater leben und Mütter verzweifelt um einen Umgang kämpfen.

Bei den einzelnen Ausarbeitungen wurden bewusst kaum Paragraphen-Fachtermini verwendet, um eine einfache Lesbarkeit zu garantieren. Weiterhin wurde versucht, zum jeweils dargestellten Problem eine juristische Zusammenfassung sowie eine Stellungnahme der Autoren oder des Vereins darzulegen. Zitate aus den Beantwortungen der Fragebögen runden mit ihren Beispielen, Tipps und Hinweisen die einzelnen Punkte ab.

Die eingefügten und gekennzeichneten Zitate geben nicht immer die Autoren- bzw. Vereinsmeinung wieder, sondern sollen lediglich das Situationsbild erklären und Meinungen darstellen - auch im negativen Sinne.

Für uns ist klar, dass der Vater genauso wichtig wie die Mutter im Leben eines jeden Kindes ist und dass Väter selbstverständlich die gleichen Rechte wie Mütter haben müssen.

Sollten Sie Anmerkungen haben oder generell andere Ansichten vertreten, so können Sie gern den Verein "Väteraufbruch für Kinder Leipzig" als Herausgeber dieser Broschüre kontaktieren.

Vielen Dank an den Verein "Väteraufbruch für Kinder Leipzig" für die tolle Zuarbeitung, sowie an alle Mitglieder des VafK und Interessierte, die bei der Ausarbeitung mitgeholfen haben. Nicht zuletzt haben die ausgefüllten Fragebögen bei der Erstellung dieser Broschüre sehr geholfen. Selbstverständlich konnten hier nur kleine Ausschnitte direkt in die Broschüre übernommen werden. Aber die gesamte Informationsvielfalt aus allen Antworten rundete so manchen Sachverhalt erst ab.

Hans-Thomas Leib
Rechtsanwalt