Kapitel VII 10.a) - b)



10. Umgangsvereitelung / Umgangsabbruch

Generell muss man unterscheiden zwischen einer Umgangsvereitelung und einem Umgangsabbruch. Unter Umgangsvereitelung versteht man, dass ein Umgang zwar stattfindet, aber z.B. immer zeitmäßig eingeschränkt oder erschwert wird. Umgangsabbruch bezeichnet den kompletten Abbruch des Kontaktes zum Kind.

Oft fühlt sich ein Partner als Opfer, hegt Rachegedanken und missbraucht dafür seine Kinder. Zur Frau passt die Opferrolle umso mehr, wenn sie darstellt, unter einem unmöglichen Mann gelitten zu haben, der sich nun (angeblich) nicht einmal um seine Kinder kümmert. Dieses Gefühl wird dann ausgelebt und dazu wird sie Verständnis von allen Seiten bekommen. Die Argumentationskette gegen einen Umgang wird nicht aufhören und es wird immer ein Grund dagegen gefunden werden. Es gibt keinen Frieden im Krieg!

Bei einer Umgangsvereitelung sollten Sie auf keinen Fall abwarten oder diese aussitzen und denken, "das wird schon wieder". Wenn einmal der Kontakt mit den Kindern eingeschränkt ist, wird es schwer, diesen wieder vollständig aufzubauen. Die Gefahr an der Einstellung "Abwarten" besteht darin, dass Ihnen diese Haltung zu einem späteren Zeitpunkt als mangelndes Interesse an den Kindern ausgelegt werden könnte.


Zitat eines Betroffenen:
"Es war von Anfang an erklärtes und vor Gericht ausgesprochenes Ziel der Mutter, dass es keinen Umgang geben sollte. So wurden die Umgänge immer wieder boykottiert und schließlich wurde das Kind aus einem vereinbarten Urlaub von der Polizei aufgrund von "Kindesentführung" - ich hatte die gerichtliche Vereinbarung nicht bei mir - abgeholt. Da sich hieraus weder beim Jugendamt noch bei Gericht Konsequenzen zeigten - es wurde zur "Beruhigung der Situation" mein Umgang für ein Jahr ausgesetzt - habe ich daraufhin verzichtet, ein neues Verfahren anzustrengen. Seitdem habe ich nichts mehr von dem Kind gehört oder gesehen, meine Post wurde nie erwidert, die Ämter fühlen sich nicht zuständig und verweisen nur auf meine Klagemöglichkeit."


Zu einem Umgangsabbruch kommt es bei sehr strittigen Trennungen leider häufig. Für Väter beginnt dann ein langer Kampf, um einen Umgang wieder herzustellen, oder sie verlieren den Kontakt zu ihren Kindern. Zeichnet sich ab, dass die Mutter nicht gewillt ist, Ihnen den Umgang zu gewähren, handeln Sie sofort! Tun Sie dies für sich, aber vor allem für Ihre Kinder, die für die ganze Situation nichts können.

Vermutlich wird nun ein längerer Streit für und um die Kinder vor Ihnen liegen. Sichern Sie sich dabei selbst ab und suchen Sie sich Unterstützung. Achten Sie auf Ihr physisches und psychisches Wohlbefinden und Gleichgewicht. Holen Sie sich Rat bei Beratungsstellen und professionellen Helfern. Suchen Sie Vereine oder Freunde auf, um diese emotionale Ausnahmesituation zu bewältigen.

Die Reaktionsmöglichkeiten auf Umgangsvereitelung oder Umgangsabbruch sind unterschiedlich und auch immer abhängig von der Konstellation mit der Kindesmutter. Eines kann man aber immer raten: Handeln Sie sofort! Schnelles Handeln verhindert, dass sich die Situation in einer Blockadehaltung festfährt.

Ein weiterer Vorteil für ein sofortiges Handeln ist das meist schnelle Ergebnis, da die eingeschalteten Institutionen noch lösungsorientiert arbeiten und es zur Rechtfertigung des eigenen Handelns noch nicht eine Anhäufung von über Jahren gesammelten Vorwürfen gegen den Anderen gibt. So kann im günstigsten Fall rasch wieder Frieden einkehren.

Was also könnten Sie konkret tun?

Sie sollten das Jugendamt sofort über den Sachverhalt informieren und dort um klärende Unterstützung bitten. Aber bedenken Sie, das Jugendamt kann immer nur beratend wirken und die dortige Beratung hat keinerlei Rechtskraft. Erscheint Ihnen die Kindesmutter beratungsresistent, sollten Sie (mit Hilfe eines Anwalts) umgehend einen Antrag auf Umgangsregelung bei Gericht einreichen. Drängen Sie dort auf einen raschen Termin (beachten Sie auch die Regelung zur Beschleunigung solcher Verfahren § 155 FamFG). Sollte sich eine gerichtliche Entscheidung verzögern, erörtern Sie mit Ihrem Anwalt die Beantragung einer einstweiligen Anordnung zum Umgang bei Gericht. Bei einem Umgangsabbruch spielt der Zeitfaktor keine unerhebliche Rolle. Warten Sie zu lange ab, gilt das Kind als entfremdet und es muss laut landläufiger Gerichtsmeinung mühevoll erst wieder ein Kontakt hergestellt werden, meist über begleiteten Umgang.

Ebenso können Sie weitere verfügbare Helfer wie etwa Beratungsstellen, den Kinderschutzbund o.ä. oder auch neutrale Freunde als Gesprächsführer einschalten. Aktivität in dieser Situation wird Ihrer Psyche gut tun, weil Sie bewusst etwas für den Kontakt zu Ihren Kindern tun. Aber verzetteln Sie sich nicht. Oft ist es sinnvoller, alle Energie in einem Punkt zu bündeln, als sich unzählige verschiedene Verfahrensfronten aufzubauen. Verfallen Sie auch nicht auf den Gedanken, ehemals gemeinsame Freunde und Bekannte auf Ihre alleinige Seite ziehen zu wollen. Das geht meist schief und Sie verlieren diese Personen, und Ihre Kinder möglicherweise liebe Freunde. Argumentieren Sie ausschließlich aus Sicht der Kinder.


… usw. - Lesen Sie weiter im "Väterkompass"