Kapitel V. 1.

1. Allgemeines

Kommt es in einer Beziehung zur Trennung, geraten meist beide (Ex-)Partner in psychische Ausnahmesituationen. Es brechen Welten zusammen, sie verlieren den Boden unter den Füßen. Oft ist ihr Handeln nicht mehr von Objektivität oder gar Verständnis für den Anderen geprägt, sondern von Existenzängsten, verletzten Gefühlen und Eitelkeiten. Meist schon zu Beginn der Trennungsphase werden die unterschiedlichen "Machtstellungen" in Bezug auf gemeinsame Kinder deutlich. Die Mütter betrachten sie als ihr uneingeschränktes Eigentum und den Vätern wird klar, dass sie hier vom ehemals geachteten Vater der Kinder zum auf den Knien rutschenden Bittsteller werden. Völlig abwegige Gedanken drängen sich in den Vordergrund, Rache- und Hassgefühle siegen oft über vernünftiges Handeln. Aber Rachegelüste, um eventuell erlittene Verletzungen zu pflegen, bringen nichts.
Vergessen Sie nicht, Sie wurden nicht gezwungen mit dem Menschen, mit dem Sie jetzt auseinandergehen, zusammenzuleben. Auch die Schuldfrage am Scheitern einer Beziehung lässt sich schlecht dem Einen oder Anderen zuschieben. Zuordnen lässt sich meist nur der Wille der Partner, über eventuelle Schwierigkeiten in der Beziehung auch gemeinsam hinwegzukommen. Leider neigt man gerade in der heutigen Zeit sehr dazu, bei Problemen sofort die Beziehung zu beenden. Aber gerade eine Trennung ist nicht nur für Sie, sondern auch für Ihre Kinder der psychische Ausnahmezustand. Kinder können dies dabei noch weniger kompensieren als Sie. Also überlegen Sie immer, ob es sich nicht lohnt, gerade für die Kinder die Mühen einer gemeinsamen Krisenbewältigung auf sich zu nehmen. Geben Sie Ihre Familie nicht einfach auf. Kämpfen Sie um sie.

Ist Ihre Beziehung unwiderruflich gescheitert, schauen Sie zuerst auf Ihre Kinder und handeln Sie dann nach reiflicher Überlegung und eventueller Beratung mit anderen Betroffenen oder einem Anwalt.

Befinden Sie sich in einer akuten Trennungsphase, denken Sie bei all Ihrem Tun immer an die Kinder, aber auch an sich selbst. Behalten Sie immer eine Ihnen jetzt zwar aussichtslos erscheinende, aber später vielleicht mögliche Versöhnung im Auge.

Kommt es zur Trennung, prüfen Sie dringend einige Dinge.
Haben Sie z.B. gemeinsam mit der Kindesmutter das Sorgerecht, so hinterlegen Sie beim zuständigen Einwohnermeldeamt eine schriftliche Erklärung, dass ohne Ihre Zustimmung keine Pässe für Ihre Kinder ausgestellt werden dürfen und keine Ummeldung des Wohnsitzes der Kinder erfolgen darf.

Kontrollieren Sie Ihren gesamten Zahlungsverkehr. Dazu gehört auch die Zugriffsmöglichkeit auf Ihre Konten und Sparbücher, Ihre Versicherungen mit Beitragszahlungen wie auch eingetragenen Begünstigten. Wer steht als Mieter im Mietvertrag, wer zahlt die Miete und wie verhält es sich mit den Versorgungsverträgen (Strom, Gas, Wasser usw.)? Prüfen Sie ebenfalls alle Angelegenheiten rund ums Auto (Zulassung, Versicherung, Steuern).

Sollte Ihre Partnerin ausgezogen sein, erwägen Sie das Türschloss auszuwechseln. Nicht selten schon standen gutgläubige Väter urplötzlich vor einer leeren Wohnung. Sichern Sie zumindest Ihre persönlichen Sachen wie private Unterlagen, Fotos, Dokumente und Zeugnisse, Kontoauszüge usw.

Erwarten Sie bitte nicht, dass Gespräche mit Ihrer Expartnerin so verlaufen, wie Sie es aus Ihrer Liebeszeit gewohnt sind. Sie werden sie nun von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Rechnen Sie mit allem, dann werden Sie nicht überrascht.

Versuchen Sie sich trotz aller Vorkommnisse noch gegenseitig zu achten. Lassen Sie kleine Kriegsschauplätze weg. Die helfen Ihnen jetzt sowieso nicht. Appellieren Sie immer wieder an Ihre gemeinsame Verantwortung für die Kinder. Schlagen Sie schon in dieser Phase vor, professionelle Hilfe, Beratungsgespräche u.ä. in Anspruch zu nehmen. Bleiben Sie miteinander im Gespräch. Schotten Sie sich nicht ab. Bleiben Sie ehrlich und lassen Sie die Expartnerin nicht vermuten, dass sie angelogen oder ausgenutzt wird.

… usw. - Lesen Sie weiter im "Väterkompass"